Wir können uns erst mit einem umfassenden Partnerschaftsgesetz sicher fühlen

Trotz einem schweren Schicksalsschlag hat Beatrice Herzog einen Neuanfang gewagt. Sie setzt sich für das neue Partnerschaftsgesetz und Partnerringe, die damit für den Schutz und die Sicherheit ihrer neuen Beziehung sorgen.

Als wir uns vor 18 Jahren kennen lernten und uns ineinander verliebten, fragten wir nicht nach der Zukunft und kamen schon gar nicht auf die Idee, unser Zusammenleben umfassend zu regeln. Wir genossen ganz einfach unsere gemeinsame glückliche Zeit.

Partnerringe: Tipp aus der Schweiz

Wir haben ein Haus zusammen gemietet, in dem wir mit meinen beiden Töchtern zusammen glücklich lebten. Vielleicht träumten wir ganz einfach davon, dass es möglich wäre, auch ausserhalb der gängigen Norm eine Familie zu sein. Dies gelang uns auch. Wir waren von der Umgebung akzeptiert und integriert bis zu jenem Tag, an dem das Unwiderrufliche geschah: Am 21.4.1987 verunglückte meine Lebenspartnerin mit dem Auto in der Nacht tödlich.

Dass ich überhaupt vom Unfall erfuhr, habe ich der Beifahrerin zu verdanken, die den Unfall überlebt hatte. Die Polizei fand es nicht nötig mich zu informieren, da wir als Paar vor dem Gesetz nicht existent waren, und noch immer nicht sind.

Ich hatte kein Recht auf Einsicht in den Unfallbericht und kein Recht, meine Partnerin noch einmal zu sehen, um Abschied nehmen zu können. Selbst an der Beerdigung war ich nur geduldet, denn ihre Verwandten hatten ihre Entscheidung, so zu leben, niemals akzeptiert.

Am Tag nach der Beerdigung wurde ich von der Gemeindebehörde unseres Wohnortes aufgefordert, alle Unterlagen, welche meine Partnerin betrafen, abzugeben. Obwohl ich eine Vollmacht über ihre Konten hatte, wurden alle sofort gesperrt. Schliesslich gab es gesetzliche Erben, aber zu denen gehörten wir ja nicht.

Eine Woche später fuhr der Halbbruder meiner verstorbenen Partnerin mit dem Laster vor und räumte unser Haus. Alles, von dem ich nicht beweisen konnte, dass es mir gehörte, schleppte er vor unseren Augen weg.

Da der Mietvertrag unseres Hauses auf beide Namen ausgestellt und der nächste Kündigungstermin noch fern war, wollten die Verwandten meiner verstorbenen Lebenspartnerin einen Untermieter suchen, um die Hälfte der Miete nicht bezahlen zu müssen. Dass wir unser Zuhause nach einem solch schmerzlichen Verlust nicht auch noch mit einem wildfremden Menschen teilen mussten, haben wir nicht dem Gesetz sondern unserem wohlwollenden Vermieter zu verdanken, der auf den Mietanteil verzichtete.

Zum unfassbaren Schmerz kam die bittere Erkenntnis, dass ich und meine Töchter, die Familie der tödlich Verunfallten, vor dem Gesetz keinerlei Rechte hatten. Obwohl wir sechs Jahre zusammen gelebt hatten, waren wir als Paar vor dem Gesetz nicht existent!

Jahre später habe ich noch einmal einen Neuanfang gewagt. Ich lebe nun seit acht Jahren mit meiner heutigen Lebenspartnerin zusammen. Aus Schaden klug geworden, haben wir versucht, uns gegenseitig rechtlich zu schützen und abzusichern, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann. Mit unserem Anwalt haben wir einen Partnerschaftsvertrag und ein rechtsgültiges Testament ausgearbeitet, das auch die Rechte meiner Töchter berücksichtigen soll.

Ein simples Beispiel aber hat uns an unserer vermeintlichen Sicherheit wieder zweifeln lassen: Als ich auf der Post einen eingeschriebenen Brief für meine Partnerin abholen wollte, wurde die Vollmacht, welche wir uns gegenseitig gegeben hatten, nicht anerkannt. Eine solche Vollmacht sei für die Post nicht verbindlich und man würde mir den Brief auf keinen Fall aushändigen.

Wir fragen uns deshalb, ob denn überhaupt etwas verbindlich ist, solange wir ausserhalb der gängigen Norm leben müssen. Heute weiss ich, dass wir uns erst dann sicher fühlen können, wenn die umfassende Gleichstellung auf Gesetzesebene verankert sein wird.

Wir wollen nicht mehr, als uns zusteht. Wir arbeiten, zahlen unsere Steuern, tragen zum Gemeinwohl bei. Wir respektieren das Gesetz und kämpfen dafür, dass dieses Gesetz, vor dem bekanntlich alle gleich sind, auch unsere Lebensform respektiert und absichert.

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